Was ist Resonanz?
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Resonanzerscheinungen und Schwingende Systeme
Resonanz heißt, rein sprachlich: zurück-tönen, antworten durch mittönen. „Da Töne Schwingungen sind, kann man sagen: Resonanz heißt: miteinander auf gleicher oder ähnlicher Wellenlänge schwingen.“ 1 Auf die tiefergreifende Bedeutung der Resonanz möchte ich an spätere Stelle noch intensiver eingehen. Resonanz liegt immer dann vor, wenn zwei gleich physikalische Merkmale, speziell der Frequenz, vorliegen. Grundlegend kann das Phänomen der Resonanz auch so erfasst werden: Stellt man sich einen Raum vor mit mehreren Stimmgabel, die alle auf den Kammerton a gestimmt sind, und erregt nun nur eine einzige, so werden unweigerlich nach dem Prinzip der Resonanz alle anderen Stimmgabeln, die auf den gleichen Ton gestimmt sind, anfangen mitzuschwingen.
1 F. Cramer, „Symphonie des Lebendigen-Versuch einer allgemeinen Resonanztheorie“ Resonanz und elektromagnetische Schwingkreise
Resonanz
Die Resonanzfrequenz ist also diejenige Frequenz eines schwingungsfähigen Systems, bei der der Resonanzfall eintritt. Resonanz kann also nur entstehen, wenn ein schwingungsfähiges System mit seiner Eigenfrequenz durch Energiezufuhr angeregt wird. Wenn nun die Dämpfung verringert wird, fallen, wie schon erwähnt, die Eigenfrequenzen mit den Resonanzfrequenzen des Systems zusammen. Wenn einem solchen System nun von außen Schwingungen aufgezwungen werden, deren Frequenz mit der Eigenfrequenz übereinstimmt, schauckelt sich das System zu großen bis hin zu unendlichen Aplituden auf und es kann in einer Resonanzktastrophe enden, wobei die Zerstörung des Systems durch Überlastung (mechanischer Defekt bzw. Durchbrechen des Schwingkreises) nicht ausgeschlossen ist. Resonanz in anderer Betrachtung
Informationtechnisch gesehen sind zwei in Resonanz befindliche Systeme der einfachste Weg, Information von einem System auf das andere zu übertragen - und dies in Echtzeit mit minimalst möglichem Energieaufwand. Man kann dieses Resonanzprinzip in beliebige Schichten unseres Daseins fortspinnen - auch die biologische Evolution wird heutzutage mehr und mehr als Ko-Evolution betrachtet, bei der das Entwickeln zu höher organisierten und spezialiserten Spezies nicht allein durch Mutation und Selektion, sondern mehr durch Kooperation/Interaktion Leben ausgelöst wird. Man könnte dies auch als gesellschaftliche „Resonanz" bezeichnen, Symbiose und selbstorganisierende und kognitive Prozesse des Gesamtsystems. Denn man kann zeigen, dass allein die natürlichen Mutationen niemals zu der Artenvielfalt und dem extrem vernetzen System Leben auf diesem Planeten geführt hätten, wie wir es heute sehen. Es scheint eine „Antriebskraft" in Richtung zu höherer Komplexität zu geben, die nicht allein durch Mutation und Selektion hätte entstehen können. Bei näherem Hinsehen hat es sogar den Anschein, als könnte das grundlegende Gestaltungsprinzip der Natur, die rhythmisch gegliederte Welle, ihre Herkunft aus der voranfänglichen, immateriellen Realität (»Singularität« nennt sie die Astrophysik) nicht verbergen - ja, als wäre "die innere Struktur des Phänomens Welle geradezu eine Chiffre der verborgenen Einheit des stofflich- verdichteten, ausgestalteten Weltzustandes" und “des formlosen, ungegenständlichen und daher von der Dingwelt her als »Nichts« und als »Leere« erscheinenden Urgrundes.” 1 Klingt doch schon in unserem Wort »Ton«, das sich aus dem griechischen »tonos« = »Spannung« herleitet, etwas von diesem bipolaren Wesen der Schwingungen, Wellen und Klänge an; nur wo zwei Aspekte wirklich getrennt und zugleich aufeinander bezogen sind, entsteht Spannung, aus der dann wiederum etwas Neues hervortreten kann wie die Töne aus gespannten Saiten.
1 vgl. Alexander Lauterwasser & Vemu Mukunda, Sonologie |
